Mut und Gnade

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Weil ich den Tod nicht mehr ignorieren kann, achte ich mehr auf das Leben.
Die, die dies sagte, ist die krebskranke Treya: Der, der dies aufgeschrieb, ist ihr Mann Kim, der seine Frau begleitete, pflegte und in dem Buch "Mut und Gnade" Berichte, Zeugnisse fünf gemeinsame Jahre im Angesicht leidenschaftlichen Lebens und Sterbens veröffentlichte.

wilber: mut und gnade

Autor: Ken Wilber

Mut und Gnade
Die Geschichte einer großen Liebe - das Leben und Sterben der Treya Wilber
Verlag: Fischer, Frankfurt am Main, März 2009
ISBN: 978-3-596-18067-7

Eine Rezension Judith Hermanns neustem Erzählband "Alice"[1] bemerkt, dass "Das Leben, das sich bisher in der traumwandlerischen Herman-Welt sehr höflich und zurückhaltend am Rande aufgehalten hat ..., plötzlich mitspielen [will]. Und zwar [...] ausgerechnet in seiner furchterregendsten und schicksalhaftesten Rolle: als Tod." 
Gegenwarten des Todes im 21. Jahrundert. Kaum ein Gespräch mit Freuden oder in der Familie, das nicht die Krankheit Krebs oder den Tod Bekannter streift. Kaum jemand, der nicht einen Betroffenen kennt, oder gar selbst betroffen ist. Die Zeiten der öffentlichen Tabuisierung des Todes ist vorbei, eine Hilflosigkeit jedoch ist geblieben; bei Herman kommt sie mit makellos stilsicherer Wohlfühltraurigkeit daher. Gerd Göckenjam beschreibt in einem Essay das gängige Sterbeideal mit einem Satz Woody Allens: "Ich habe nichts gegen das Sterben, ich will nur nicht dabeisein, wenn es soweit ist."[2]

Treyas und Kim Wilbers Selbstzeugnis lässt mich aus verschiedenen Gründen innehalten. Hier wird vom Sterben existentiell authentisch erzählt, Widersprüche, Wandlungen und Irrtümer eingeschlossen. Meist tagebuchartige Notizen der Krebskranken ergänzt ihr Mann mit eigenen Wahrnehmungen. Und in etlichen Abschnitten reflektiert er die Ereignisse. z.B. den Zusammenhang von Psychotherapie und Spiritualität, oder die Praxis traditioneller und alternativer Medizin. Für ganz wesentlich halte ich Kim Wilberts Reflektionen und Selbstauskünfte über die Rolle des Helfers, dreht sich doch in der persönlichen und voll allem öffentlichen Wahrnehmung in der Regels alles um den die oder den Erkrankten.

Aus diesem Grunde soll neben dem Audio-Beitrag auch ein Textauschnitt im pdf-Format diesem Posting angefügt sein, ein öffentlicher Brief zu den Problemen des Helfers. Beide Ergänzungen sollen sollen an die Stelle einer ausführlicheren Rezension treten in der Hoffnung, dass diese Veröffentlichungen im Interesse des Autoren ist und verlagsrechtliche Obliegenheiten nicht verletzen. Zumal: Wenn wir über den Tod reden, so findet das zumeist in einer Gegenwart statt, in der jetzt - in der Sitaution des Gespräches oder des Lesens oder Schreibens - niemand stirbt, anders in "Mut und Gnade".

Quellen:
[1] Rezension linkverweis"Alice" von Iris Radisch
[2] Göckerjan, Sterben in unerer Gesellschaft - Ideale und Wirklichkeiten, Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ) 4/2008

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