Weggefährten
Die Sängerin und Komponistin Emilíana Torrini bemerkt, dass die nächtlichen Botschaften ihrer Träume Antworten auf Fragen des Tages gäben; soweit so gut, wie hinlänglich bekannt. Sie fügt interessanterweise hinzu, dass sie die Antworten oftmals nicht verstände, weil ihr die zu den Antworten gehörigen Fragen oftmals nicht bewusst seien. Eine interessante Wendung.
Ja, wir mögen mitunter keine Antworten auf Fragen, die wir nicht stellten. Wie ist es aber mit Antworten die darauf hinweisen, dass Fragen falsch oder gar nicht gestellt sind? Eine Spitzfindigkeit?
Die Kreativen empfehlen, mitunter andere Haltungen als "Du mußt", "Du sollst", "Du kannst nicht" einzunehmen und zu akzeptieren, dass die gesamt Wirklichkeit größer ist als jene, die mir momentan zur Verfügung steht. Und sie raten weiter, dann andere Fragen zu stellen, z.B. "Was würde ein Kind, ein Verliebter, eine Verliebte oder ein Ureinwohner mit dieser Sache machen?".
Eine Analyse[1] weist darauf hin, dass die Internetnutzung - Suchbegriffen folgend - hauptsächtlich eine selektierte Wahrnehmung fördert. Im Gegenteil lassen sich Zeitungsleser eher von Themen überraschen, sind bereit, sich Perspektivwechseln auszusetzen. Das Ziel ihrer Lektüre ist weniger zielorientiert.
Könnte es sein, dass unsere Suche nach Lösungen mitunter ein Teil des Problems ist, etwa gleich dem Schüler, der durch eifriges Meditieren ein Buddha werden wollte? Der Meister nahm daraufhin einen Ziegel und begann, ihn vor der Klause auf einem Stein zu reiben. Der Schüler fragte: ‘Was tut der Meister da?’ Der Meister sprach: ‘Durch das Reiben mache ich diesen Ziegel zu einem Spiegel.’ Der Schüler : ‘Wie kann durch das Reiben der Ziegel zu einem Spiegel werden?’ Der Meister sprach: ‘Wie kann einer durch Hocken in der Meditation ein Buddha werden?“[2]
Ich möchte mit der nebenstehenden Blderserie[3] von Spaziergängen mit einer Fotografin berichten. Mit Ihr begegnete ich Bäumen. "Nein, die Schwierigkeiten Deines Weges ergründen zu wollen, wird Dir nicht weiterhelfen; gehe ihn konsequent weiter, lerne Standhaftigkeit." Oder: "Wenn Du einen Verlust begrüßen kannst, wird er Dir als Reichtum wiederbegegnen".
Könnte es sein, dass jenseits des gewohnten Analysierens, Lesens und Spechens, jenseits der Alltagslogik, Ideen, Einsichten Antworten warten, an denen wir 'zielgerichtet' vorbeileben?
Könne es sein, das Mark van Doren Recht hat: "Lade Ideen ein und bewirte sie fürstlich, denn eine von ihnen könnte ein König sein" [4].
Quellen:
[1] netzwerkrecherche.de ![]()
[2] zitiert nach Th. Merton, Die Weisheit der Wüste, Fischer, Frankfurt am Main, 1999
[3] "Weggefährten und Botschafter des Lebens"
, Fotografien, Sabine Wegner, wolf-edition, 2008
[4] http://www.feba-software.de/sprueche/sprueche1.htm ![]()
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